Neues Glas New Glass

essi utriainen



In ihren Installationen und Objekten aus Glas konzentriert sich die Finnin Essi Utriainen in immer wieder neu angestellten Betrachtungen auf das Thema der Wahrnehmung von Zeit und Bewegung. Bei der temporären Installation „Schnee“ visualisiert die Künstlerin die Wahrnehmung von Zeit einerseits durch die Arbeitsmethode, derer sie sich bedient, andererseits aber auch durch das gewählte Motiv. Das Motiv der Schneeflocke symbolisiert die Darstellung eines zeitlich begrenzten Augenblickes, den flüchtigen Moment, der die kristallisierte Form der Schneeflocke sichtbar werden lässt, bevor sie wieder schmilzt. Diese Vergänglichkeit haftet auch an den Arbeiten der Künstlerin. Die einzelnen auf dem Boden sichtbaren Eiskristalle bestehen aus kleinen Glassplittern, die von Essi Utriainen per Hand in ihre Form gebracht werden. Sie sind das Resultat eines langen Herstellungsprozesses, der der Installation ein Fluidum von Ruhe und Meditation verleiht. Am Ende der Ausstellungszeit werden die Glassplitter wieder zusammengekehrt.


Auch die Arbeit „Von Gestern“ greift das Motiv der Schneeflocke in verwandelter Form auf. In diesem Fall ist es eine aus 31 einzelnen Objekten bestehende Wandinstallation, die vom Himmel fallende Schneeflocken abbildet. Jedes einzelne an der Wand hängende Objekt ist dabei ein aus kleinsten Glasstückchen bestehendes Eiskristall. Die Wiederholung der immer gleichen Form zeigt nur farbliche Unterschiede. 20 differenzierte Farbtönungen sind sichtbar, wobei die Farbigkeit der an der Wand angebrachten Objekte von oben nach unten von pechschwarz nach schneeweiß verläuft. Die einzelnen Objekte streute Utriainen mit Glassplittern in die Form einer vereinfachten Schneeflocke, die anschließend in einem mehrstündigen Prozess geschmolzen wurden, wobei der körnige Charakter an der Oberfläche erhalten blieb. Diese Arbeitsmethode selbst macht jedes Objekt zum Einzelstück.


Eine andere Werkgruppe zeigt Arbeiten auf denen sinnreiche Sätze wie „As FAst aS Possible“ oder „2b or nt 2b?“ zu lesen sind. Das Glasbild „2b or nt 2b?“ (2007) ist eine Arbeit, die aus kleinen rosafarbenen Glassplittern in einem mehrstündigen Arbeitsprozess geschmolzen wurde. Wiederum lässt diese Arbeit den Eindruck entstehen, das Objekt bestehe aus Schnee und wird in wenigen Minuten nur noch eine kleine Pfütze sein. Die Methode der Herstellung steht in Analogie zum Inhalt des flüchtig geschriebenen Satzes. Die gewählte SMS-Sprache ( z.B. „2b or nt 2b?“), die sich zur schnellen Kommunikation mit dem Handy gebildet hat, wird hier für einen inhaltsschweren Satz mit großer Symbolkraft verwendet.


Eine weitere Werkgruppe bilden die gestreuten Landschaftsbilder. Auf „In the pines, in the pines, where the sun never shines II“ ist das Schattenbild eines Kiefernwaldes vor dunklem wolkigen Himmel abgebildet. Der Titel ist einem bekannten Song entliehen. Als Vorlage diente der Künstlerin der Schnappschuss von einer finnischen Waldlandschaft. Verschiedene Grautöne prägen die Darstellung des Waldes, der wolkige Himmel ist in lila-rosa-weiß Tönen gehalten. Ein romantisches Bild, welches durch den Glanz des leuchtenden Glases kostbar wirkt. Doch die wahrgenommene Zerbrechlichkeit des Materials untergräbt die vorgeblich landschaftliche Idylle, thematisiert sie doch gleichzeitig auch die Bedrohung unserer Natur. Weitere romantische Landschaftsbilder sind „Hier und da“ oder „Tote Landschaft“. Diese Motive sind aus der Erinnerung „gestreut“ worden. Wiederum bezaubert vordergründig die Schönheit der Szenerie, gepaart mit dem Glanz des Materials, dann jedoch erkennt der Betrachter, wie gefährdet die romantische Idylle ist, in der abgestorbene Bäume sichtbar werden.


Dr. Cornelia von Detten